Mangelernährung bei älteren Menschen: Signale, die du siehst
Mangelernährung bei älteren Menschen entwickelt sich schleichend und wird oft erst entdeckt, wenn ein Sturz oder Krankenhausaufenthalt das Ausmaß sichtbar macht. Du als Therapeut:in siehst die Person zu Hause — und damit Signale, die in der Hausärzt:innensprechstunde nicht sichtbar werden.
Warum es leicht übersehen wird
„Im Alter braucht man weniger." Dieser Mythos hält sich hartnäckig — auch unter Fachleuten. In Wahrheit steigt der relative Eiweißbedarf älterer Menschen sogar, während Appetit, Geschmackssinn und Mobilität abnehmen. Die Lücke entsteht oft unbemerkt: jemand isst weiterhin „etwas", aber nicht mehr genug Qualität, nicht mehr genug Eiweiß, nicht mehr regelmäßig.
Achtung: Gewichtsverlust bei normalem BMI ist genauso ernst wie bei Untergewicht. Verlust von Muskelmasse zählt mehr als die Zahl auf der Waage.
Signale, die du als Erste:r siehst
- Fast leerer Kühlschrank, abgelaufene Produkte
- Kleidung wird sichtbar weiter
- Müdigkeit beim Kochen — Klient:in lässt Mahlzeiten aus
- Soziale Isolation: niemand kocht mehr mit
- Beißprobleme, schlecht sitzende Prothese
Mehr als ein Ernährungsproblem
Die ergotherapeutische Brille macht den Unterschied: Mangelernährung ist selten ein reines Wissensdefizit. Es geht um die Aktivität rundherum — Einkaufen, Vorbereitung, gemeinsames Essen. Hilfreich kann sein, eine kleine Anpassung in der Küche zu machen, einen Lieferservice zu organisieren oder eine soziale Mahlzeit pro Woche einzuführen.
Konkrete Schritte
1. Beobachten
Schau in die Küche — diskret, aber aufmerksam. Was findet sich, was fehlt?
2. Benennen
Erwähne deine Beobachtung ohne Wertung. „Mir fällt auf, dass…"
3. Verbinden
Vermittle den Kontakt zur Diätassistenz oder zum Hausärzt:innenteam.