Post-COVID: funktioneller Aufbau ohne Erschöpfung
Post-COVID-Klient:innen brauchen keinen klassischen Aufbauplan. Wer hier zu schnell trainiert, riskiert Post-Exertional Malaise (PEM). Pacing, Energiemanagement und kleine, gut dosierte Schritte sind das Fundament — alles andere darauf.
Was Long COVID uns gelehrt hat
Vor 2020 war PEM hauptsächlich aus dem ME/CFS-Kontext bekannt. Die COVID-Pandemie hat dieses Phänomen plötzlich in einer breiten Klient:innengruppe sichtbar gemacht. Wichtig: PEM ist kein Hinweis auf Schwäche oder mangelnden Willen — es ist ein physiologisches Phänomen, das einen anderen Behandlungsansatz erfordert.
Achtung: Klassisches Graded Exercise Therapy (GET) ist bei PEM kontraindiziert. Wer „durch die Erschöpfung trainiert", produziert Rückschläge. Identifiziere PEM frühzeitig.
Pacing in der Praxis
Pacing ist mehr als „weniger machen". Es geht darum, unter dem persönlichen Energieplafond zu bleiben — Tag für Tag. Das verlangt eine genaue Inventur:
- Welche Aktivitäten kosten viel — körperlich, kognitiv, emotional?
- Wann tritt PEM auf — direkt oder verzögert (24–72 Stunden)?
- Welche Pausen helfen tatsächlich, welche nur scheinbar?
- Wo lassen sich Aktivitäten umverteilen oder weglassen?
Vom Stabilisieren zum Aufbauen
Wenn — und nur wenn — die Klient:in mehrere Wochen ohne Crashes durchsteht, kann vorsichtig erweitert werden. Das geschieht nicht über Trainingsplan-Mathematik, sondern über bedeutungsvolle Aktivität: ein Spaziergang um den Block, fünfzehn Minuten mehr Konzentration, ein soziales Treffen.
Konkrete Praxispunkte
- Frage explizit nach PEM — viele Klient:innen kennen den Begriff nicht.
- Lass mindestens zwei Wochen Aktivitätstagebuch führen.
- Plane bewusst Erholungstage ein, auch ohne Beschwerden.
- Edukation für das Umfeld: warum „aufpassen" hier kein Schwächezeichen ist.