Value Cards: Werte sichtbar machen in der Therapie
Value Cards sind ein einfaches Gesprächsinstrument: ein Set Karten mit Begriffen wie „Autonomie", „Verbindung", „Ruhe". Indem die Patient:in wählt, was wirklich zählt, bekommst du in zehn Minuten Einblick in Motivation, um die du sonst eine halbe Stunde herumredest.
Was sie tun
Ziele im Behandlungszimmer zu formulieren ist für viele Patient:innen schwierig. „Wieder arbeiten können" ist kein Ziel, sondern ein Wunsch. Was darunter liegt — z. B. wieder gebraucht werden, Struktur haben, Kollegenkontakt — ist der eigentliche Motor. Value Cards machen diesen Motor sichtbar, ohne lange Anamnese.
Die Basisübung
Auswählen
30-50 Karten ausbreiten. „Wähle zehn aus, die in deinem Leben wichtig sind."
Verdichten
Von den zehn fünf weg. Dann nochmal drei weg. Bis zwei oder drei übrig bleiben.
Vertiefen
„Woran würde ich sehen, dass dir 'Verbundenheit' wichtig ist?" Frag nach konkretem Verhalten, nicht nach Definitionen.
Mit der Beschwerde abgleichen
„Wenn du jetzt anschaust, was gerade los ist — steht das im Dienst dieses Wertes oder quer dazu?"
Wann sie am meisten bringen
- Bei stagnierenden Verläufen — wenn Ziele vage sind oder Motivation absackt.
- Bei Identitätsverlust durch Krankheit — „Wer bin ich noch, wenn ich das nicht mehr kann?"
- Bei Entscheidungsmomenten — Rückkehr zur Arbeit, Hilfsmittel akzeptieren, Hilfe annehmen.
- Bei Teamgesprächen mit der Patient:in — die Karten geben ihr eine Stimme, ohne dass sie selbst formulieren muss.
Häufiger Irrtum: Die Übung machen und danach zum ursprünglichen Behandlungsplan zurückkehren. Der Wert ist das, was du fortan einbeziehst, nicht ein Zwischenschritt. Wenn „Autonomie" Top-1 ist, darf ein Hilfsmittelvorschlag nicht einfach dagegen laufen.
Praktisch
- Halte es kurz — zehn bis fünfzehn Minuten reichen.
- Schreib die gewählten Werte in die Akte und greif sie bei jeder Evaluation wieder auf.
- Arbeite gegebenenfalls mit eigenen Karten — eine leere Karte kann ein Wort hervorbringen, das in keinem Set steht.