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Angststörungen: Vermeidung im Alltag erkennen

Veröffentlicht: 2024-12-22 · 6 Min. Lesezeit
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Kurz gefasst

Angst zeigt sich in der Praxis selten als „Angst" — sondern als Vermeidung. Die Klient:in geht nicht mehr Einkaufen, fährt nicht mehr Auto, meidet Anrufe. Wer das als reines Aktivitätsproblem behandelt, übersieht den Kern. Wer es erkennt, kann erstaunlich viel bewirken.

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Vermeidung ist das Leitsymptom

Angst ist eine normale, sogar nützliche Reaktion. Zur Störung wird sie, wenn die Vermeidung das Leben einschränkt. Klient:innen erzählen selten direkt von Angst — sondern von Aktivitäten, die sie nicht mehr machen, von Wegen, die sie umgehen, von Anrufen, die sie aufschieben.

Erkennungsmuster: „Das mache ich gerade nicht, weil…" — gefolgt von einer plausibel klingenden Begründung. Wenn das Vermeidungsverhalten wächst statt schrumpft, ist Angst meist im Spiel.

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Wie Angst sich kurzfristig „lohnt"

Vermeidung gibt sofortige Erleichterung — und genau das ist das Problem. Das Gehirn lernt: gefürchtete Situation gemieden = Spannung weg = gut. Damit bleibt die Angst bestehen oder wächst. Die einzige Möglichkeit, die Angst zu reduzieren: kontrollierte Konfrontation, in dosierten Schritten.

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Wann ist es deine Aufgabe?

Die Ergotherapie behandelt nicht die Angst — sie wiederbelebt die Aktivität, in der sich Angst bewährt oder löst.

Schwere Angststörungen, Panikattacken oder posttraumatische Belastung gehören zur Psychologin oder zum Psychiater. Aber milde bis moderate Vermeidung im Alltag — Sturzangst, soziale Vermeidung, Erschöpfungs-Vermeidung — gehört oft zu deinem Behandlungsbereich. Erkenne die Grenze und überweise rechtzeitig.

Praxispunkte