Rheumatoide Arthritis: Gelenkschutz und Selbstbestimmung
Rheumatoide Arthritis ist nicht „Arthrose plus Schwellung". Sie ist eine systemische Autoimmunerkrankung mit eigener Logik: Schübe wechseln mit ruhigen Phasen, die Belastbarkeit schwankt, Gelenkschutz wird wichtiger. Die Ergotherapie unterstützt früh und spät — auf unterschiedliche Weise.
Eine andere Logik als Arthrose
Bei Arthrose ist Bewegung in der Regel hilfreich, auch im aktiven Schub. Bei rheumatoider Arthritis (RA) gilt das nicht: in einem aktiven Schub wird das Gelenk geschont, danach erst stufenweise wieder belastet. Die Therapie muss diesen Wechsel kennen — und mit der Klient:in einüben.
Wichtig: RA betrifft nicht nur Gelenke. Erschöpfung, Augen, Lunge und Herz können beteiligt sein. Frage breit nach.
Gelenkschutz konkret
„Gelenke schonen" ist zu vage. In der Praxis geht es um konkrete Bewegungsmuster und Hilfsmittel:
- Belastung verteilen — Lasten zwei Hände, beide Schultern
- Große Gelenke statt kleine — Unterarm statt Finger
- Hebelwirkung nutzen — Spezialöffner, verlängerte Griffe
- Ruheschienen während Schubphasen, kurz
Energiemanagement bei Schwankungen
Wie bei Fibromyalgie und MS gilt: das Aktivitätsboomerang vermeiden. Klient:innen, die in Schubphasen alles aufholen wollen, verlieren die Stabilität. Plane Aktivität nicht nach Tagesform, sondern nach Wochenrhythmus.
Multidisziplinär bleiben
RA wird primär rheumatologisch behandelt. Moderne Medikation hat das Krankheitsbild grundlegend verändert — viele Klient:innen erleben jahrelange Remission. Deine Aufgabe ist die Übersetzung in den Alltag: Selbstmanagement, Gelenkschutz, bedeutungsvolle Aktivität trotz Schwankungen.
Praxispunkte
- Frage explizit nach Schubmustern und nach Erschöpfung.
- Beobachte die Hand in der Tätigkeit — nicht nur in Ruhe.
- Setze Hilfsmittel sparsam und gezielt ein, nicht reflexartig.
- Bleibe in Kontakt mit Rheumatolog:in und Physiotherapeut:in.