← Zurück zur Wissensbank

Fibromyalgie: chronische Schmerzen und Erschöpfung

Veröffentlicht: 2024-08-12 · 7 Min. Lesezeit
!
Kurz gefasst

Fibromyalgie ist real — und nichts, das man „wegtrainiert". Die Aufgabe der Ergotherapie liegt nicht beim Schmerz selbst, sondern in der Wiederherstellung bedeutungsvoller Aktivität bei stark schwankender Belastbarkeit. Pacing, Edukation und ein realistischer Erwartungshorizont sind die wichtigsten Werkzeuge.

1

Eine Diagnose mit Geschichte

Lange galt Fibromyalgie als „Verlegenheitsdiagnose". Heute wissen wir: es handelt sich um eine zentrale Schmerzverarbeitungsstörung mit nachweisbaren neurobiologischen Korrelaten. Klient:innen erleben Druckempfindlichkeit, Schlafprobleme, kognitive Beeinträchtigungen („fibro fog") und vor allem eine Erschöpfung, die nicht durch Ruhe verschwindet.

Wichtig zu wissen: Viele Klient:innen kommen erst nach Jahren mit Fehldiagnosen zu dir. Anerkennung — „ich glaube dir, dass das real ist" — kann therapeutisch wirksamer sein als jede Übung.

2

Pacing als Kernintervention

Das klassische Muster: an guten Tagen wird zu viel gemacht, gefolgt von tagelangem Crash. Pacing bricht diesen Kreislauf. Es geht nicht ums Weniger-Tun, sondern ums Anders-Tun: Aktivität in dosierten Blöcken planen, unabhängig von der Tagesform.

3

Das Gespräch über Erwartungen

Heilung ist hier kein realistisches Ziel. Lebensqualität schon.

Viele Klient:innen kommen mit der Hoffnung, dass die nächste Therapie es endlich „wegmacht". Eine ehrliche Neujustierung — von Heilung zu nachhaltigem Umgang — gehört zu den wichtigsten Gesprächen, die du führen kannst. Diese Neujustierung braucht Zeit und wiederholte Bestätigung.

4

Multidisziplinäre Einbettung

Gute Fibromyalgiebehandlung ist immer mehrgleisig: Hausärzt:in, Physiotherapeut:in, häufig auch Psycholog:in. Deine Rolle als Ergotherapeut:in: die Übersetzung in den Alltag. Nicht „mehr bewegen" als abstraktes Ziel, sondern: welche Aktivität, in welcher Dosis, an welcher Stelle des Tages.

Praxispunkte für die nächste Sitzung