Ergotherapie bei der Parkinson-Krankheit
Bei Morbus Parkinson zählt für den Alltag oft nicht der Tremor, sondern die Bradykinesie und die kognitiven Veränderungen. Mit gezielten Bewegungsstrategien — Cueing, Aufgabenzergliederung, Tagesstruktur — kann die Ergotherapie viele Jahre wertvolle Selbstständigkeit erhalten.
Mehr als Zittern
Im öffentlichen Bewusstsein steht Parkinson für den Tremor. In der Praxis behindern jedoch Bradykinesie (Verlangsamung), Rigidität, Gleichgewichtsstörungen und nicht-motorische Symptome (Schlaf, Stimmung, Kognition) oft viel stärker. Eine gute ergotherapeutische Bestandsaufnahme spannt diesen ganzen Bogen.
Hinweis: Tagesschwankungen sind normal. Eine Beobachtung um 11 Uhr ist nicht repräsentativ für 16 Uhr. Plane Beobachtungsmomente in unterschiedlichen Phasen ein.
Bewegungsstrategien (Cueing)
Eines der mächtigsten Werkzeuge bei Parkinson: das Umgehen automatisierter Bewegungsabläufe durch bewusste Hinweise. Dabei geht es nicht um Tricks, sondern um die Nutzung neuronaler Reservebahnen.
- Visuell: Linien auf dem Boden, Marker in der Tür
- Auditiv: Metronom, Musik mit klarem Takt
- Kognitiv: bewusst aufzählen — „eins, zwei, eins, zwei"
- Mechanisch: Stockschritt, Stuhlhöhe
Eine Tätigkeit nach der anderen
Klient:innen mit Parkinson haben Schwierigkeiten, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. „Reden während Gehens" wird mühselig. Praktische Konsequenz: Aufgaben sequenziell organisieren statt parallel. Vor dem Aufstehen: Gespräch beenden. Vor dem Essen: Fernseher aus. Solche kleinen Eingriffe machen oft mehr Unterschied als jede Übung.
Der Tagesrhythmus zählt
Medikamentenwirkung, Schlafqualität und Aktivitätsplanung greifen ineinander. Eine ergotherapeutische Aufgabe ist es, die wichtigsten Aktivitäten in die On-Phasen zu legen — nicht umgekehrt. Das verlangt das Gespräch mit der Klient:in und idealerweise mit der behandelnden Neurolog:in.
Praxispunkte
- Beobachte zu zwei verschiedenen Tageszeiten.
- Identifiziere die wichtigsten doppelten Aufgaben — und entkopple sie.
- Trainiere Cueing in der echten Umgebung, nicht nur im Behandlungszimmer.
- Beziehe Angehörige aktiv ein — sie führen die Strategien später weiter.